DIE IDEE
Zwischen Bartóks Musik und freien Kreationen
‘Bela B.‘ im Ensemblenamen steht für Béla Bartók, dessen Musik Inspirationsquelle für das kammermusikalische Improvisations-Trio ist, das z.T. Themen des Komponisten im Fluss seiner eigenen Musik adaptiert und improvisatorisch ausformt. In unserem Repertoire gibt es Kompositionen von Béla Bartók, wo die Improvisationen die harmonische Struktur der Werke als Ausgangspunkt nehmen und die folklorische Stimmung seiner Musik weitesgehend erhalten bleibt. Wiederum andere Kompositionen von ihm werden mit abstrakten Improvisations - Elementen in die heutige Zeit übertragen. Die besondere Instrumentierung des Trios formt dabei ein eigenständiges Klangbild, das durch die persönlichen Spielweisen seiner Mitglieder noch verstärkt wird. Komplementiert wird das Programm von Affäre Bela B. durch Original Kompositionen der Bandmitglieder.
DAS ENSEMBLE
Martina Weidner
(Bratsche), die als Improvisatorin Quereinsteigerin des Projekts ist. Sie bringt ihre profunden Kenntnisse insbesondere des Werkkatalogs der klassischen Moderne für ihr Instrument (z.B. Bartóks Konzert für Bratsche und Orchester oder Schostakowitschs Sonate für Bratsche und Klavier, beide kurz vor dem Tod der Komponisten geschrieben) in das Projekt ein und damit wahrscheinlich auch die grösste Nähe zur Musik Bartóks. Mit ihrer Erfahrung im Doppelgriff-Spiel (die sie in verschiedenen Streichtrios sammelte, in denen die Bratsche gewöhnlich oft mehrstimmige Parts zu spielen hat) bildet sie das klangliche Rückgrat des Trios, dem sie damit streckenweise eine unglaubliche, fast orchestrale Tiefe und Wärme verleiht.
Theo Jörgensmann
(Altklarinette), Ein international anerkannter Musiker der zur zweiten Generation des deutschen und europäischen Free Jazz gehört und in der atonalen wie der tonalen Welt gleichermassen zu Hause ist. Theo Jörgensmann kann auf die reiche Erfahrung einer über 50-jährigen Spielpraxis in den unterschiedlichsten Formationen zurückgreifen – von unbegleiteten Soloprojekten über Duos, sein eigenes Quartett bis hin zu grossen, sehr unterschiedlich besetzten Formationen wie Willem van Manen’s ‘Contraband‘ in den Niederlanden, John Fischer's 'European Interface' in den USA oder Andrea Centazzo’s ‘Mitteleuropa Orchester‘ in Italien. Ihn zeichnet von daher ein gutes Gespür für die klanglichen Möglichkeiten dieser speziellen Trio-Besetzung aus und darüber hinaus insbesondere ein Gespür für aussagestarke Melodien.
Ernst Deuker
(Kontrabassklarinette). Sein Bezug zur Musik Bartóks entwickelte sich bereits in seinen musikalischen Anfängen als Rockbassist in den 70er Jahren, wo er zum ersten Mal (noch vor der Band Ideal, die er bald darauf mitbegründete) einen bulgarischen Tanz aus Bartóks ‘Mikrokosmos‘ adaptierte. Die Rhythmen Bartóks waren prägend für die ‘rockige‘ Seite Deukers, die teilweise auch in den Arrangements des Ensembles zum Tragen kommt. Als Kontrabassklarinettist ist sein ständiger Wechsel zwischen Rhythmus und kraftvollen Melodien eine wichtige Inspirationsquelle für das Trio.
Projektbeschreibung
Bela Bartok (1881 – 1945) war ein ungarischer Komponist und Musikethnologe. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne. Neben dem Komponieren beschäftigte sich Bartók mit dem systematischen Sammeln von Volksliedern. Er unternahm dafür weitläufige Reisen durch Ungarn, über den Balkan bis in den Orient und sammelte dabei über 10.000 Lieder. Er erkannte den Wert der Volksmusik und sah die mündliche Überlieferung als gefährdet an. Das Zeitalter des Radios hatte begonnen. Viele dieser Volkslieder finden sich in seinen Werken wieder. Bartok war fasziniert von ihrer Schlichtheit und bisweilen rauen Direktheit. Als Komponist arbeitete er mit diesen Themen, veränderte sie und holte sie in die großen Konzertsäle der Welt. Das Ensemble Bela B. geht nun einen Schritt weiter. Wir machen uns die Musik Béla Bartóks zu eigen und spinnen den Faden weiter. In freien Improvisationen entstehen Räume, in denen die schlichten Melodien ihre berührende Wirkung entfalten können. Warum halten wir unsere Musik für relevant? Schon Bartok erkannte bei seinen Reisen über den von vielen Völkern bewohnten Balkan bis in den Orient, wie wenig regionale Kulturen auf Nationalität zu beschränken sind und in welcher gegenseitigen Einflussnahme sie schon immer standen. In einem Brief an seinen rumänischen Freund Octavian Beu aus dem Jahr 1931 heißt es: „Meine eigentliche Idee […] ist die Verbrüderung der Völker […] Dieser Idee versuche ich […] in meiner Musik zu dienen“.